Die Beschaffung von Wohnraum
Flüchtlingsaufnahme in Kempten
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrschte in ganz Deutschland aufgrund der Zerstörung durch den Krieg sowie durch Flucht und Vertreibung eine Wohnungsnot. Obwohl in Kempten kaum Bausubstanz zerstört worden war, zeichnete sich eine ungünstige Lage auf dem Wohnungsmarkt ab. Der erste von vielen Flüchtlingstransporten kam am 27. März 1946 aus Troppau in Kempten an. Die Zahl von Geflüchteten und Vertriebenen stieg bis 1950 an. Die Verwaltung errichtete Notunterkünfte und ein Durchgangslager in der Spinnerei in der Keselstraße. Später löste sie dieses Lager auf und verlegte die Familien in die Artilleriekaserne am Ostbahnhof.
Probleme der Einquartierung
Die Zuteilung der Vertriebenen und Flüchtlingen in Kemptener Haushalte sorgte jedoch für Probleme. Die gegründete
Wohnungskommission arbeitete mit dem Flüchtlingskommissar zusammen, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die Verwaltung war besorgt über die langen Wintermonate, da die zugeteilten Räume oft nicht beheizbar und die Neuankömmlinge
fast mittellos waren. Sie schritten auch gegen einzelne Einheimische ein, die sich gegen die Einquartierung in ihre Wohnung und die Mitbenutzung von Küche und Bad wehrten. Viele der geflüchteten und heimatvertriebenen Familien wohnten zunächst auf engem Raum, bis sie eigene Wohnungen oder Häuser beziehen konnten.
Bachtelmühlsiedlung und Rottachsiedlung
Um das Wohnungsproblem in Kempten zu lösen, kam es ab 1950 zum Bau derBachtelmühl- und Rottachsiedlung. Die Siedlungen entwickelten sich zu einem Ort des Zusammenkommens und für viele zu einer neuen Heimat.
(Vgl. https://hdbg.eu/wiederaufbau/orte/detail/kempten/73; Stadtarchiv Monatsberichte im Oktober 1944 und Dezember 1944, Dokumentation über die Eingliederung und das Wirken der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen im Landkreis Oberallgäu, S. 293)


Quelle: Sammlung Lienert

Quelle: Stadtarchiv Kempten

