Überleben und Distanz
Die ersten Jahre im Allgäu
(1945–1950)
In den ersten Jahren nach 1945 lebten die Geflüchteten und Heimatvertriebenen in bescheidenen und beengten Verhältnissen im Allgäu. Das Soforthilfegesetz (SHG), welches 1949 in Kraft trat, gestand wenigen, als besonders hilfsbedürftig geltenden
Vertriebenen, staatliche Hausrats- und Aufbauhilfe zu. Die Kemptener Verwaltung etablierte eine Volksküche im Gasthaus „Kreuzgarten“ durch das Bayerische Rote Kreuz und eine Ausgabestelle für Kleidung und Schuhe. Kulturelle Aktivitäten spielten kaum eine Rolle, da die Sicherung der Grundbedürfnisse Priorität hatte.
Die Einheimischen begegneten den Neuankömmlingen aus Sorge, Besitz und Ressourcen teilen zu müssen, oft mit Ablehnung. Während ältere Vertriebene sich stark an die Erinnerungen an die alte Heimat oder ihren Glauben klammerten, fanden Kinder und Jugendliche schneller Anschluss in Kempten.
Politische Neuanfänge
Die politische Integration begann Ende der 1940er Jahre vor Ort mit überparteilichen Flüchtlingsausschüssen, welche die
Interessen der Ankommenden vertraten. Parallel dazu bildeten sich die ersten Landsmannschaften wie die Sudetendeutsche Landsmannschaft oder die „Egerländer Gmoi“. Diese Organisationen gaben den Menschen nicht nur eine Stimme in der
Öffentlichkeit, sondern stärkten auch das Gemeinschaftsgefühl.
Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE)
Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) entstand aus lokalen Flüchtlingsgruppen im Vorfeld der
bayerischen Landtagswahl im November 1950. Er war die politische Interessenvertretung aller Menschen, die infolge von Krieg, Flucht und Vertreibung ihre Heimat verloren hatten. Bei der Landtagswahl 1950 erzielte der BHE mit rund 12 Prozent ein
beachtliches Ergebnis und war bis 1962 an der Staatsregierung beteiligt. Ende 1952 benannte sich die Partei in „Gesamtdeutscher Block“ um und trat ab 1961 als „Gesamtdeutsche Partei (GDP)“ an, verlor mit der Integration der Nachkriegsgesellschaft aber zunehmend an Einfluss.
(Dokumentation Landratsamt Oberallgäu, S. 321); Historisches Lexikon Bayern, historisches-lexikon-bayern.de/Lexikon/Block_der_Heimatvertriebenen_und_Entrechteten_BHE)



