Gerlinde Zelt

„Freiwillig geht
man nicht.“

Gerlinde zelt
Gerlinde Zelt
Geboren am 25. Juni 1936
in Eger
1945 kam die Familie nach Kempten

Ihr Puppenwagen durfte mit

Heimat und Kindheit

Gerlinde Zelt, geboren im Jahre 1936, wuchs mit ihrem Bruder und ihrer Familie in Eger (Tschechien) auf. Ihre Eltern führten eine eigenständige
Kohlengroßhandlung. Ihre Kindheit war geprägt von Normalität, bis sie im zehnten Lebensjahr jäh endete. Ein letztes Symbol dieser unbeschwerten Zeit war ein neuer Puppenwagen.

Flucht und Vertreibung

Die Vertreibung kam 1945 ohne Vorwarnung: Innerhalb von nur zwei Stunden musste die Familie ihre Wohnung verlassen. Nur mit Rucksäcken ausgestattet flohen sie zu Fuß über die Grenze. Unter Tränen durfte Gerlinde ihren Puppenwagen
mitnehmen. Der Weg führte über Sammelstellen in Hof nach Würzburg, wo US-Soldaten Süßigkeiten an die Kinder verteilten, bis hin zu einer
menschenunwürdigen Unterkunft auf einem Bauernhof im Allgäu.

Neuanfang im Allgäu

In Kempten fand der Vater schließlich eine bessere Unterkunft bei der Familie Dr. Grassl in der Salzstraße. Der Anfang war karg, denn die Familie besaß nichts mehr. Das Geld, welches ihr Vater mitgenommen hatte, war für die Zugfahrt verwendet worden. Auch der geliebte Puppenwagen war für Lebensmittel verkauft werden – nur die Puppe blieb als kostbares
Erinnerungsstück Jahrzehnte erhalten. Trotz anfänglicher Ausgrenzung durch die Einheimischen bauten sie sich ein neues Leben auf.

Die Eltern fanden Arbeit als Buchhalter, während Gerlinde in Kempten die Schule abschloss und eine kaufmännische Lehre absolvierte. Aus dem erlittenen Unglück erwuchs durch Fleiß und Integration ein neues Glück im Allgäu.

Gerlinde Zelt führte mit ihrem Mann Heinrich das Haus Bleyle-Mode in der Rathaussstraße. Quelle: Sammlung Lienert
Gerlinde Zelt führte mit ihrem Mann Heinrich das Haus Bleyle-Mode in der Rathaussstraße. Quelle: Sammlung Lienert

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