Der Zweite Weltkrieg und die Siedlungspolitik
Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg und damit der deutsche Eroberungskrieg. Zu Kriegsbeginn lebten in den Provinzen Ostpreußen, Pommern, Ostbrandenburg, Schlesien sowie in der Freien Stadt Danzig knapp zehn Millionen Deutsche und circa drei Millionen Sudetendeutsche in der Tschechoslowakei. Die nationalsozialistische Führung verfolgte eine rassistisch begründete Siedlungspolitik im Osten (bekannt als „Generalplan Ost“). Ziel war die Gewinnung von „Lebensraum“, was die gewaltsame Vertreibung, Versklavung und Vernichtung der dort ansässigen slawischen Bevölkerung sowie den Holocaust an den europäischen Juden einschloss. Die Gebiete sollten langfristig durch deutsche Siedler „germanisiert“ werden.
Flucht und Vertreibung
Im Mai 1945 befreiten die Alliierten Deutschland und die besetzten Gebiete vom Regime der Nationalsozialisten. Auf der Potsdamer Konferenz teilten die Siegermächte das Gebiet des Deutschen Reiches unter sich auf. Es existierte eine sowjetische, eine britische, eine französische und eine amerikanische Besatzungszone, der auch Kempten angehörte. Sie beschlossen auch, dass die deutschen Minderheiten aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn in die Besatzungszonen umgesiedelt werden.
Über 12 Millionen Deutsche und Deutschstämmige wurden aus Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas vertrieben oder flüchteten. Die Überlebenden mussten alles hinter sich lassen: ihre Häuser, Landwirtschaften, Betriebe und andere Besitztümer. Sie waren heimatlos geworden.
Ankunft in Bayern und Kempten
In Bayern kamen nach 1945 mehr als 2 Millionen Heimatvertriebene und Flüchtlinge an. Das entsprach einem Viertel der Bevölkerung. Mehr als die Hälfte stammte aus dem Sudetenland. Die zweitgrößte Gruppe war aus Schlesien sowie aus Ostpreußen, Pommern, dem Baltikum und Ungarn. In der Stadt Kempten lebten zum Jahresende 1954 insgesamt 10.410 Heimatvertriebene.
(Infos vgl. https://www.blz.bayern.de/data/pdf/themenheft-flucht-und-vertreibung-1021-1605-44.pdf ; Stadtarchiv, Flüchtlingswesen – Statistik Akz. 460/1/2, vgl. https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Fl%C3%BCchtlings-und_Vertriebenenpolitik(nach_1945))
Kempten im Mai 1945
Mai 1945: Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands fand der Zweite Weltkrieg auf europäischem Boden sein Ende.
Am 27. April 1945 zogen US-amerikanische Soldaten in Kempten ein und besetzten die Stadt nahezu kampflos. Eine Militärregierung übernahm die Aufsicht über die städtische Verwaltung.
Kempten hatte den Krieg relativ glimpflich überstanden. In den Jahren 1944/45 gab es einige Bombenangriffe, die sich vor allem auf den Bahnhof, die Artilleriekaserne und Rüstungsbetriebe konzentrierten, allerdings auch Wohngebäude und Kirchen trafen.
Wie andernorts herrschte nun ein Mangel an Lebensmitteln, Brennstoff, Kleidung und Wohnraum.
Der Zustrom von Geflüchteten und Heimatvertriebenen stellte ab dem 27. März 1946 mit dem Eintreffen des ersten großen Flüchtlingstransportes im Kemptener Bahnhof eine zunehmende Herausforderung dar.


wiederholt von alliierten Flugzeugverbänden bombardiert worden. Quelle: Sammlung Lienert

Die Zerstörung der St.-Mang-Brücke verhinderten beherzte Bürger.
